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60 Jahre Swisscontact
60 Jahre Förderung der Berufsbildung

Swisscontact hat seit ihrer Gründung 1959 umfangreiche Erfahrungen in der Entwicklung und der Einführung von Berufsbildungsangeboten rund um den Globus erworben. In den ersten zwei Jahrzehnten stand die Ausbildung von Fachkräften für die Industrie im Vordergrund. Ab den 80er-Jahren verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die Entwicklung von wichtigen Systemkomponenten wie Lehrerausbildung, Lehrplanentwicklung, Schul- und Qualitätsmanagement oder Zertifizierungen. In jüngerer Zeit prägte die direkte Armutsreduktion die Orientierung von Berufsbildungsprojekten: Kurzausbildungen werden ergänzt durch Angebote der Arbeitsmarktintegration und zum Selbsterwerb.

Swisscontact bleibt überzeugt, dass die praxisbezogene Berufsbildung ein Schlüsselfaktor sowohl für die soziale Integration als auch die wirtschaftliche Entwicklung ist. Im Spannungsfeld dieser zwei Entwicklungsziele, angepasst an den jeweiligen Kontext, wird Swisscontact auch weiterhin arbeiten mit dem Anspruch, Arbeitspraxis als Systemkomponente in den Ausbildungsgängen der Zielländer zu verankern. Eine Priorisierung von Kurzausbildungen oder formalen Ausbildungsgängen ist nicht von vorneherein gegeben, sondern hat sich an der Zielsetzung und dem lokalen Potential zu orientieren; den ökonomischen Gegebenheiten, den Umsetzungsmöglichkeiten von Ministerien und Behörden und den bereits vorfindbaren Kompetenzen von Schulmanagement und Lehrenden.

Zurzeit implementiert Swisscontact rund 50 Bildungsprojekte rund um den Globus. Damit liefert Swisscontact inklusive Lösungen für die drängenden Herausforderungen der Jugendarbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Migration.

Ein Rückblick über 60 Jahre Förderung der Berufsbildung

Berufsausbildung nach Schweizer Vorbild (ab 1960)

Die entstehende Industrie in Entwicklungsländern braucht gut ausgebildete Techniker. Diese Fachkräfte vergrössern den Mittelstand – eine Voraussetzung für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Darum konzentriert sich Swisscontact in ihren ersten zwei Jahrzehnten auf den Aufbau von Berufsschulen in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Die Stiftung konzentriert sich in ihren Anfängen auf die Berufsbildung und will so einen Beitrag an die Industrialisierung und das wirtschaftliche Wachstum leisten. 1963 wird in Chandigarh, Indien, die erste Berufsschule eröffnet. In der nach schweizerischem Vorbild aufgebauten feinmechanischen Werkstätte werden Lehrlinge ausgebildet.


Indien, mit der Unabhängigkeit 1947 zur bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt geworden, will sich rasch industrialisieren. Keine Stadt verkörpert den Willen zum Aufbruch in die Moderne stärker als das von Le Corbusier geplante Chandigarh. Die Modellstadt im Norden des Landes ist noch nicht fertig gebaut, als die feinmechanische Lehrwerkstätte im Beisein von Ministerpräsident Jawaharlal Nehru eröffnet wird. 36 Lehrlinge – ausgewählt aus 1400 Bewerbern – nehmen die dreijährige Ausbildung am «Indo-Swiss Training Centre» auf. Drei Schweizer und vier Inder sind ihre Lehrer. 2009 ist die Berufsschule immer noch in Betrieb. 1968 übernimmt sie der indische Staat und vor einigen Jahren hat er sie zum «Center of Excellence» für die Berufsbildung erklärt.

Swisscontact beginnt 1966 in Peru, in Zusammenarbeit mit SENATI (Servicio Nacional de Adiestramiento en Trabajo Industrial), neue Fachleute im Bereich Maschinenbau und Feinmechanik auszubilden und so zur technischen Entwicklung des Landes beizutragen. In diesem Zusammenhang wurde das lateinamerikanische Stipendienprogramm ins Leben gerufen, das während vielen Jahren jungen Menschen mit geringen finanziellen Mitteln zugute kam, die eine technische Karriere anstrebten.


Während über 20 Jahre entwickelte sich die Beziehung zu SENATI, was zu neuen Generationen von ausgebildeten Fachkräften und der Schaffung von mehr Wissen für eine nachhaltige lokale Entwicklung führte. In ganz Peru wurden Projekte in verschiedenen Bereichen der Berufsausbildung durchgeführt, darunter Uhrenreparatur, Landmechanik und Maschinenkonstruktion.

70er Jahre

Auch über die 1970er Jahre bleibt die Berufsbildung ein Schwerpunkt der Arbeit. 1971 wird die technische Schule, das «Centre tuniso-suisse de formation professionnelle pour adultes» in Gabès an die Regierung Tunesiens übergeben. Der Gouverneur von Gabès sagt 1971 zu einem Swisscontact-Vertreter: «Gäbe es dieses Ausbildungszentrum nicht, müsste man es schaffen, denn es zeigt uns, welches die wahren Probleme unserer Region sind, zum Beispiel der Mangel an Arbeitsplätzen. Wir Entwicklungsländer müssen unter Druck gesetzt werden, um etwas zu realisieren.»

1979 erhält Swisscontact vom indonesischen Erziehungsministerium den Auftrag, beim Aufbau von sechs Technikerschulen für 5000 Studienplätze und einem Lehrerausbildungszentrum mitzuwirken. Die Basis für die Zusammenarbeit legte die Stiftung fünf Jahre zuvor mit der Eröffnung einer Mechanikerschule in Bandung.


Bald werden mit der Unterstützung von Swisscontact auch in andern Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas Lehrwerkstätten eröffnet. Bis 1979 sind es 16 Berufsschulen, in Indien, Sri Lanka, Pakistan, Indonesien, Brasilien, Peru, Ecuador, Costa Rica, Benin, Tunesien und Tansania. Ausgebildet werden unter anderem Werkzeugmacher, Präzisions- und Unterhaltsmechaniker, Kältemonteure und Agromechaniker. Um mit den eingesetzten Mitteln noch mehr zu erreichen, werden gezielt auch Instruktoren ausgebildet, die ihr Wissen in der Folge an eine Vielzahl junger Menschen weitergeben können.

Die Berufsbildung wird flexibler (ab 1980)

In den 1980er-Jahren setzt sich die Überzeugung durch, dass wirtschaftliches Wachstum in den wenig entwickelten Ländern die Befriedigung der Grundbedürfnisse voraussetzt. Swisscontact reagiert und bietet vermehrt Kurzkurse an, um benachteiligte Schichten besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Berufsbildung wird flexibler, die Ausbildung genauer an die Bedürfnisse der Privatwirtschaft angepasst. Auch mobile Werkstätten kommen zum Einsatz.


In Durres, Albanien, unterstützt Swisscontact ab 1994 den Aufbau einer mechanischen Lehrwerkstätte. Es ist das erste Engagement von Swisscontact im postkommunistischen Osteuropa. Daraus entwickelt sich die Möglichkeit, sich an der Reform des Bildungssystems Albaniens zu beteiligen. In der Folge kann die Stiftung zahlreiche Projekte umsetzen, um praxisnahe Aus- und Weiterbildungen und die Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern.

Zusätzliche Informationen

2000 bis heute

In den Jahren nach 2000 legen die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) den Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit auf die (direkte) Armutsbekämpfung, die kurzfristig und direkt messbar ist. In der Folge werden auch Berufsbildungsprojekte herausgefordert, zunehmend auch die soziale Nachfrage und nicht nur die wirtschaftlichen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Infolgedessen rücken Kurzzeitkurse und On the Job Trainings für Arbeitssuchende aus bestimmten Zielgruppen in Kombination mit Angeboten zur Arbeitsmarktintegration in den Vordergrund.


Die Berufsausbildung wird um Lebenskompetenz, Beratungs- und Vermittlungsdienste, Information und Zugang zu Finanzdienstleistungen erweitert. Solche Ansätze sind eine legitime Antwort auf die Zielsetzung der Geberagenturen. Sie gehören jedoch eher zu einer aktiven Arbeitsmarktpolitik als zur beruflichen Bildung. Ein Grund, warum Swisscontact heute die Kompetenzentwicklung als Kernbereich nennt, die sowohl die berufliche Aus- und Weiterbildung als auch die Arbeitsmarktintegration umfasst.

Die Förderung von Einkommen und Beschäftigung zur Armutsreduktion gilt als oberste Maxime der internationalen Zusammenarbeit. Sie prägt die aktuelle Generation von Berufsbildungsprojekten. Berufsbegleitende Kurzausbildungen in Kombination mit Angeboten der Arbeitsmarktintegration rücken ins Zentrum.

Die Archiv-Bilder dieser Website wurden freundlicherweise vom Archiv für Zeitgeschichte bereitgestellt.

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