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Entwicklungszusammenarbeit im Wandel

Die Projektarbeit von Swisscontact hat sich in den letzten 60 Jahren gewandelt. Zu Beginn war Wissen aus der Schweiz transferiert worden, dann ging die Stiftung dazu über, gezielt lokale Ressourcen zu stärken und zu nutzen. Das wird deutlich, wenn die Arbeit aus der Anfangszeit mit aktuellen Projekten verglichen wird. Der Grundsatz, der den Erfolg von Swisscontact ausmacht, gilt aber nach wie vor: Die Projekte sind stets auf die Bedürfnisse der lokalen Märkte ausgerichtet.

Indien 1962

Drehbänke, Feilen, Sägen sowie sämtliche Lehrmittel wurden aus der Schweiz nach Chandigarh gebracht. Und auch die drei Instruktoren machten die lange Reise in die indische Vorzeigestadt. Die Lehrwerkstatt, 1963 von Indiens Ministerpräsident Jawaharlal Nehru eingeweiht, war nach dem Vorbild der in der Schweiz seit Langem etablierten Berufsschulen aufgebaut.

Der erstklassige Ruf der Schweiz auf dem Gebiet der Feinmechanik sollte genutzt werden, um die Industrialisierung in Indien voranzubringen. Die 36 Lehrlinge des ersten Lehrgangs waren aus 1400 Bewerbern ausgewählt worden. Nach dem Abschluss der dreijährigen Ausbildung am «Indo-Swiss Training Center» war ihr Weg vorgezeichnet: als qualifizierte Vorarbeiter in der Präzisionsmechanik und in der Herstellung von Präzisionswerkzeugen. An diesen Fachleuten mangelte es dem Land.

Damit der Einstieg ins Berufsleben gelingt

Albanien 2019

So leicht hatten es die Abgängerinnen und Abgänger der Berufsschulen in Albanien bis vor Kurzem nicht. Die berufliche Bildung des Balkanstaats galt lange als wenig attraktiv, der Einstieg ins Berufsleben war schwierig. Hier setzt das von Swisscontact umgesetzte Projekt «Skills for Jobs» an. Gemeinsam mit ausgewählten albanischen Schulen und lokalen Unternehmen werden neue Lernmethoden entwickelt und eingeführt.

Die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen aus den Wachstumssektoren Tourismus, Informatik und Kommunikation, Textil- und Bauindustrie sorgt dafür, dass Wissen vermittelt wird, das in der Praxis verlangt ist. Der Austausch mit Unternehmen erleichtert auch Praktikumseinsätze und Schulungen für Ausbildner. Smartphones und die Nutzung sozialer Medien schaffen eine attraktive Lernumgebung, wobei die digitalen Technologien kein Selbstzweck sind. Vielmehr gelingt es auf diese Weise, den Stoff aktuell zu halten und Lernformen einzusetzen, die auf die Anforderungen der Arbeitswelt und Bedürfnisse der jungen Generation zugeschnitten sind.

Der Vergleich der beiden Beispiele zeigt: Die Entwicklungszusammenarbeit hat sich deutlich gewandelt. Waren es früher Schweizer Fachleute, die in mehrjährigen Einsätzen Wissen transferierten, so stützt sich Swisscontact heute primär auf lokales Know-how. Externe Expertinnen und Experten werden nur kurzfristig und nur für begrenzte Aufgaben beigezogen. Dank der Befähigung und Stärkung lokaler Akteure gelingt es auch, die Projekte im Land besser zu verankern.

Schweizer Braunvieh für Westafrika

Benin 1963

In den 1960er-Jahren versprach die Industrialisierung auch in der Landwirtschaft ökonomische Entwicklung. Und auch hier sollte das Know-how der Schweiz genutzt werden. Deshalb unterstützte Swisscontact im Süden von Dahomey, dem heutigen Benin, die Gründung einer Landwirtschaftsschule. Die Stiftung kam für den Bau der Schule und die Geräte auf, aus der Schweiz kamen zudem ein Agraringenieur und drei Landwirte ins Land. Die Regierung von Dahomey stellte 200 Hektaren Land zur Verfügung.

1963 starteten zehn einheimische Schüler ihre Ausbildung und lernten, beim Anbau von Mais, Baumwolle und Erdnüssen mechanische Geräte einzusetzen. Gleichzeitig wurde eine Vieh- und Milchwirtschaft aufgebaut, wozu bald auch eine Braunviehherde, zehn trächtige Rinder und zwei Stiere, aus der Schweiz nach Westafrika verfrachtet wurde. Aber die Schweizer Erfahrung aus der Hügel- und Berglandwirtschaft liess sich nicht einfach übertragen und auch den Kühen behagte die neue Umgebung nicht. Erst durch das Einkreuzen mit lokalen Rassen gelang es, besser an das heisse Klima angepasste Tiere zu züchten.

Damit Kleinbauern an der Entwicklung teilhaben

Bangladesch 2019

Heute stützt sich Swisscontact primär auf lokale Ressourcen. Besonders deutlich zeigt sich dies beim Projekt «Kalalyst» in Bangladesch. Lange blieben die südostasiatischen Kleinbauern von der wirtschaftlichen Entwicklung ausgeschlossen, grössere Unternehmen hielten sie als Kunden für uninteressant. Das sollte sich ändern. Gemeinsam mit Kleinbauern wurden zuerst neue Geschäftsmöglichkeiten analysiert, etwa im Anbau von Mais, Gemüse oder der Fischzucht. Um diese Chancen zu nutzen, wurden anschliessend mit Lieferanten, Händlern und Dienstleistungsfirmen zahlreiche Partnerschaften eingegangen. Dabei vermittelte Swisscontact zwischen den Bauern, den Kleinunternehmern und den grösseren Unternehmen.

Arbeiten in ökonomischen Systemen

Dieser «Inclusive Markets»-Ansatz fliesst heute in allen Projektinterventionen von Swisscontact ein.

In Bangladesch konnte damit ein lokaler Mobilfunkanbieter dazu motiviert werden, eine Helpline für Kleinbauern aufzubauen, damit sich diese jederzeit über Agrartechniken und den Schutz vor Pflanzenkrankheiten informieren können. Ein Saatguthersteller wurde überzeugt, seine Produkte in kleinen, für die Bauern erschwinglichen Säckchen abzupacken. Mit zahllosen solcher Innovationen gelang es dem Grossprojekt, das im Jahr 2002 startete und 2018 endete, die Lebensgrundlage von 4,7 Millionen Kleinbauernbetriebe in Bangladesch nachhaltig zu verbessern.

Erfolgsfaktoren der letzten 60 Jahre

Die aktuellen Projekte in Albanien und Bangladesch machen den systemischen Ansatz deutlich, den Swisscontact heute verfolgt. Statt einzelne Schulen zu unterstützen, werden Hebel genutzt, um ganze Systeme zu verändern. Dabei tritt Swisscontact als Vermittlerin auf. Anstatt direkt Aktivitäten umzusetzen, bringt die Stiftung die lokalen Marktteilnehmer zusammen. Dies sorgt dafür, dass die Massnahmen weitergeführt werden, nachdem sich Swisscontact zurückgezogen hat.

Etwas hat sich aber in den 60 Jahren seit Bestehen von Swisscontact nicht verändert: Die Stiftung arbeitet marktorientiert. Immer geht es darum, unternehmerische Initiativen zu fördern. So kamen bereits in Chandigarh die indischen Partner für Bauland, Gebäude und die übrigen laufenden Betriebskosten auf. Die Partnerländer müssen einen Beitrag leisten. Wie wichtig Partizipation ist, zeigt sich darin, dass heute 90 Prozent aller Projektmitarbeitenden im Feld lokale Angestellte sind.

Und noch etwas zeigen die Beispiele: Die Arbeit von Swisscontact ist nachhaltig. An den Schulen in Chandigarh und Benin werden bis heute Fachkräfte ausgebildet.

Die Archiv-Bilder dieser Website wurden freundlicherweise vom Archiv für Zeitgeschichte bereitgestellt.

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